Zwei Stunden für eine Stunde Weg


Letzte Woche war ich mit einer Gruppe Jugendlicher am Berg.

Von der Hütte zum Gipfel, normalerweise eine Stunde. Spazieren mit Verschnaufpause.

Bei uns wurden's zwei.

Eine Siebzehnjährige war dabei. Sport ist für sie ungefähr so attraktiv wie Zähne ziehen, und die paar Kilo extra haben den Aufstieg auch nicht leichter gemacht.
Schon nach den ersten Metern hat sie aufgeben wollen.
Ich kenne das Gesicht. Dieses "Lasst mich einfach hier liegen" Gesicht.

Ich bin mit ihr gegangen. Die anderen voraus, wir im Schneckentempo hinterher.

Fünf Minuten von der Baumgrenze weg, war Schluss. Sie ist stehen geblieben und hat gesagt, sie geht nicht weiter.

Ich hab mich zu ihr auf einen Stein gesetzt.
Hab gesagt: "Pass auf. Ich hab da oben keine Verwandten, die auf mich warten. Schau, da, die Aussicht ist mega, die Sonne scheint, die Luft ist frisch. Wir können auch einfach hier sitzen bleiben, bis die anderen wieder runterkommen."

Sie hat sich die Aussicht angeschaut. Tief Luft geholt. Und gesagt: "Na gut. Versuchen wir's halt."

Und dann standen wir oben. Sie auf ihren eigenen Beinen, mit ihrer eigenen Entscheidung im Rucksack.

Und ich (ganz ehrlich) war stolzer als sie selbst.

Sie hat das die ganze Zeit gewollt. Sie hat nur jemanden gebraucht, der mit ihr auf dem Stein sitzt, statt sie den Berg hochzuziehen.

Und so ähnlich geht's dir vielleicht auch mit deinen Texten.
Du schreibst einen Satz, liest ihn dir durch und denkst dir: nö, das kann ich so nicht schicken.
Und dann sitzt du da, fünf Minuten vor der Baumgrenze, und schaust den Text an, als wär er der Gipfel und du hättest keine Kraft mehr.

Deine Botschaft ist meistens völlig in Ordnung.
Das Mädchen war übrigens auch gut im Bergsteigen, ihr hat einfach nur der Grund gefehlt, weiterzugehen.

Und manchmal reicht's, wenn jemand neben dir sitzt und sagt: schau, wie schön es hier eigentlich schon ist.

Mein neues “Done with you" Angebot ist mein Sitzen-an-der-Baumgrenze.

Du schreibst deine Texte.
Ich schau mir an, wo deine Leserin beim Lesen abspringen würde, und wo sie hängen bleibt.
Und wo der Satz steht, der sie dazu bringt, dir zu antworten.

Ich schreib nicht für dich um. Ich zeig dir, wo dein Text steckenbleibt, und welcher Schritt als nächstes dran wär.

Und am Ende stehst du oben. Mit deinen eigenen Worten. Stolz wie die Siebzehnjährige (nur ohne Muskelkater).

Reader, schreib mir einfach zurück, wenn du Lust hast, mehr zu erfahren.

Birgit

Birgit Peer

Ich schreibe Newsletter für Coaches, Berater und Dienstleister. Damit aus stillen Kontakten Kunden werden. Ohne Dauerposten auf Social Media und ohne Verkaufsgebrüll.

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